arrow-left arrow-right nav-arrow Login close contrast download easy-language Facebook Instagram Telegram logo-spe-klein Mail Menue Minus Plus print Search Sound target-blank X YouTube
Inhaltsbereich

Aktuelles

21.11.2025 | Offener Brief an Prof. Streeck

Alt und krank- ,,will man wirklich diese teuren Medikamente?"

Offener Brief

Alt und krank- ,,will man wirklich diese teuren Medikamente?"

Sehr geehrter Herr Prof. Streeck,

Sie stammen aus einer Arztfamilie und haben eine exorbitant teure Ausbildung erfahren dürfen. Daran wollen wir trotz allem nicht sparen.

Als Drogenbeauftragter der Bundesregierung wäre es eine gesundheitspolitisch und menschlich wichtige wie finanziell lohnende Aufgabe, sich um konsequente Tabakkontrolle zu kümmern, denn damit würden die Krankenkassenbeiträge massiv entlastet. Sicher haben Sie gehört, dass die Kosten des Rauchens in Deutschland - abgesehen von menschlichem Leid und frühem Tod durch schlimmste Krankheiten bei fast 100 Milliarden Euro liegen. Und die Tabakkonzerne sind dabei mit Vapes bzw. E-Zigaretten die nächste Generation in die Sucht zu locken. Denken Sie als Arzt nicht über ein Verbot nach? Der enorme ökologische Schaden dieser Einweg- also Wegwerfprodukte kommt noch hinzu: durch Vernichtung wertvoller Rohstoffe und durch Vergiftung der Umwelt.

Aber statt Ihre Aufgabe als Drogenbeauftragter zu erfüllen, räsonieren Sie darüber, älteren Menschen teure Medikamente vorzuenthalten. In Ihrer Abwägung ist die Assoziation ,,lebenswertes Leben - lebensunwertes Leben" nicht fern.

Als es in einer Fernsehsendung um die Verminderung der Sterblichkeit ging, formulierten Sie „Wenn man das aber bei einer 100-Jährigen macht, dann ist die Frage: Will man wirklich diese teuren Medikamente?" und Sie wollen in der medizinischen Selbstverwaltung „klarere und verbindliche Leitlinien, dass bestimmte Medikamente auch nicht immer ausprobiert werden sollten - es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr einfach so benutzen sollte."

Ihre beiden Maßstäbe, ab wann es sich lohnt, Würde, Gesundheit und Wohlergehen aller Patientinnen und Patienten zu achten, sind also der Preis für Medikamente und das Alter. Das sind zwei wunderbare Maßstäbe, denn wenn das Geld knapp wird, werden ab einem bestimmten Alter nur noch billige Medikamente erlaubt und falls das Geld noch immer nicht ausreicht, wird das Alter entsprechend gesenkt. Oder anders ausgedrückt: mit zunehmendem Alter wird die Krankenversorgung schlechter.

Einern Arzt, der infrage stellt, ob Hochbetagte noch mit besonders teuren Medikamenten versorgt werden sollten, können wir solche Entscheidungen nicht überlassen aber einem guten Arzt, der sein Gelöbnis ernst nimmt, können wir die Entscheidung darüber anvertrauen, was an den Grenzen des Lebens zu tun ist. In den Händen guter Ärzte und Ärztinnen ist dieses Vertrauen der Maßstab und nicht das Alter.

Weil Sie Arzt sind und Abgeordneter für den Wahlkreis 95 (Bonn) und Bonn im Zuständigkeitsbereich der Ärztekammer Nordrhein liegt, möchte ich Sie an das für jede Ärztin und jeden Arzt im Zuständigkeitsbereich der Ärztekammer Nordrhein geltende Gelöbnis (in Auszügen) erinnern:

  • ,,Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein.
  • Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren.
  • Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.
  • Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen zu Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jegliche andere Erwägungen mich von der Erfüllung meiner Pflichten gegenüber meiner Patientin oder meinem Patienten abbringen. (Hervorhebung von LB)
  • Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur

Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen.

  • Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von

Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

  • Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre."

Denken Sie nicht auch, dass dieses Gelöbnis eine gute Grundlage für Ihre Arbeit als Drogenbeauftragter und Ihre Arbeit als Abgeordneter für die Menschen in Ihrem Wahlkreis wäre?